Sie ist gleichermaßen Kabarettistin wie Comedien(-istin? -ne? -nante? -iene?), Satirikerin wie Humoristin und gehört zu denjenigen, die dadurch, dass sie das reale Leben zum Bühnenact machen können (vielleicht völlig unberechenbar und ungesteuert und in dem Moment auch unbeabsichtigt), zu verwirren vermögen, weil man ja als Gegenüber nie weiß, wann fängt die Nummer eigentlich an... und so kann die Grenze zwischen einer vermeintlich normal begonnene Unterhaltung rasch verschwimmen und man stellt fest, dass man schon mitten in einer Satire steckt und sogar zu einem Teil von ihr geworden ist, etwa so wie die Wand als Gegner beim Solo-Squash auch zum Spiel gehört - einfach irre.

 

Gerd Schinkel, 21.11.2013

 

 

 

 

Barbara Willms

schräge Geschichtenerzählerin

Lesung am 21.3.2004 in privatem Rahmen Daumenkritik: einer rasant hoch, der andere zögert noch überrascht

 

Sie muss sich nicht verbiegen oder verstellen - sie ist so: eine eigenartige Mischung aus Spontanität und Selbstzweifeln, mit offenen Augen für den Aberwitz des des organisierten Daseins, ob im Supermarkt, im Finanzamt oder im Wartezimmer des Arztes. Wenn andere zwischen den Zeilen von schriftlichen Botschaften lesen können - sie liest aus den Zwischenzeilen des Lebens, erkennt Schachstellen, Gemeinheiten, Frechheiten und leidet an ihnen.

 

Sie liest ihre Geschichten - noch - ein wenig zu schnell, huscht über manche Pointe, gewinnt aber nach und nach Sicherheit und Selbstvertrauen aus dem Zuspruch des Publikums. Anders als in den ursprünglichen Entwürfen verknüpft sie die Gischten miteinander, als ob sie Zäsuren fürchtet, als ob die Zuhörer ihr davon laufen könnten. Doch keine Sorge: man hört ihr zu, will mehr hören, denn ihre Sicht der Dinge - direkt auf schräg - ist fesselnd.

 

Im Grunde erzählt sie von sich, von eigenen Erlebnissen, Erfahrungen, Erkenntnissen, deckt ihre Ursprünge auf, lässt uns am Prozess teilhaben, der am Ende in die skurril Geschichte mündet, die sie zu berichten hat, aus dem Erlebnispark des Einkaufswunderlands in der Servicewüste Deutschland.

 

Sie ist noch neu in der Konkurrenz der "Vorleser" und Geschichtenerzähler, die vor ein Publikum treten, um mit kurzen Texte kurzweilig zu unterhalten. Manchen gelingt's besser, manchen schlechter, sich in diesem Grenzbereich zwischen Solo-Kabaretts und der Kleinkunst, zwischen Schriftstellerei und Dichterlesung überzeugend zu präsentieren. Manchen gelingt die Präsentation auch besser als mancher Text. Barbara Willms kann locker mithalten.

 

Sie muss sich weder mit ihren Texten, noch mit ihrer Präsentation verstecken. Sie hat nämlich mehr zu bieten: Sie ist eine Type, die sich selbst präsentiert, die sich nicht darstellen muss, sondern so ist, wie sie ist. Und die Texte sind unverkennbar Stücke von ihr.

 

Gerd Schinkel

 

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